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18.08.11 - 3. Tag - Sapa

Hätte die Möglichkeit bestanden, den Sleeping Bus zu verlassen und geleitet von Gollum zu Fuß nach Sapa zu wandern, ich hätte dankend eingeschlagen.

Mein Körper, hatte nach dem Flug gerade wieder den Knochenbau eines Homo Sapiens angenommen, da wurde er erneut hart auf die Probe gestellt. (Den Anderen ging es nicht besser.) Die Schlafbusse mögen für Asiaten genug Platz bieten, für größere Menschen sind sie leider viel zu klein.

Noch dazu werden Touristen strikt auf die hintersten Plätze verbannt, über dem warmen Motor, unter dem Loch der Klimaanlage, das einem die ganze Fahrt über frech kalte Luft ins Gesicht spuckte.

An Schlaf war nicht zu denken, doch bekam man so wenigstens, als die Nacht langsam auf- und Tageslicht freigab, die ersten Nebelverhangenen Täler und Berge zu Gesicht. Reisterrassen deuteten sich in der Ferne an, und alles andere was wir auf unserer späteren Wandertour noch durchstreiften. Ziemlich beeindruckend.

Nur wenige Momente später faszinierte uns dann wiedermal die Organisation unserer gebuchten Tour, in dem man uns in Lao Cai rausschmiss um das Beförderungsmittel zu wechseln, obwohl wir den Schlafbus später in Sapa wieder trafen.

Rein in einen anderen Bus der die verbleibenden 35 km Serpentine zum ''Emotion'' fuhr, das unser Treffpunkt für die Trekkingtour sein sollte. Hier durfte natürlich wieder bezahlt werden.

Im Hotel angekommen begrüßte uns eine ziemlich putzige Vietnamesin in so gutem Englisch das wir uns staunende Blicke zu warfen. Die Vermutung in einem reinen Touristenor anscheinend keine Verständigungs-Probleme zu haben, löste sich allerdings bei der ersten Frage schon wieder auf. (Sie hatte ihre Sätze geübt.)

Wir duschten in dreckigen Zimmern, und setzen uns anschließend auf den Balkon zum Frühstück.

Es war mittlerweile gegen 7 oder 8 Uhr morgens, und die Sonne brach durch den Nebel in das Tal vor uns.

Wunderschön. Und entschädigte für die Herfahrt.


Es gab Nudelsuppe und etwas das Brot sehr ähnlich war.

Danach kehrten wir ins Foyer zurück wo der Guide bereits wartete um mit uns über die Notwendigkeit zu sprechen bitte nicht unser gesamtes Reisegepäck mitzunehmen. (Meiner hatte ja eh nur das Gewicht von Ralfs Kater – womit ich Spitzenreiter in der Fliegengewichtsklasse war, Ralfs Rucksack hingegen wog gut das Doppelte. 15 kg.)

Nach erster Diskussion, wir wollten ungerne unsere Sachen unbeaufsichtigt im Hotel liegen lassen, willigten wir doch ein, und packten uns kleinere Rucksäcke für die nächsten zwei Tage.

Ich verbannte jegliche Klamotten und ging lediglich mit Kamera, Wasserflasche, Mückenspray, Sonnencreme und der lebensnotwendige Reisezahnbürste an den Start.

Bestärkt davon uns nun bereits einmal überredet zu haben, versuchte er es weiter. ''Die zweite Tour die ihr morgen mit mir gebucht habt ist eigentlich doof, und wird eigentlich gar nicht mehr angeboten, und wollt ihr dafür nicht lieber die Nacht im Hotel verbringen?''

Nein, wollten wir nicht. Wir hatten zwei Homestays gebucht! Scheinbar hatte es zwischen ihm und unserem Hotel in Hanoi einen Absprachekonflikt gegeben. Das wäre ja nichts Neues.

Wir verschoben das Thema auf die Abendstunden und die Tour begann.


Der Guide von Anfang an von merkwürdigem Charakter, baute seine schlechten Eigenschaften während der nächsten Stunden weiter aus. Hauptsächlich rede ich hier von Ungeduld und vollkommenem Unverständnis gegenüber Menschen die tatsächlich die bemerkenswerte Landschaft genießen wollten.

Dementsprechend flink hüpfte er wie eine Bergziege von Berghang zu Berghang. Nur einmal hab ich ihn wegrutschen sehen. Und das in einer ganz anderen Größenordnung als mir das passierte, mit meinen tollen, extra für die Reise gekauften Wanderschuhen, deren Profil sich nach den ersten Metern mit Schlamm bedeckt zu einer glitschigen Sohle verwandelt hatte, und mich öfter auf kreative Art und Weise zum liegen brachte.

Am Ende betrachtete ich trotzdem stolz meine vor getrocknetem Dreck stehende Hose und die Schuhe die Farbe und Form gewechselt hatten. (Und den Rest der Reise widerlich rochen.)

Begleitet wurden wir von kleinen Frauen eines in blaue Trachten gehüllten Bergvolks, die bereits an der Schwelle des Hotels auf ihre ''Opfer'' warteten. Sie nannten sich die Hmong und trugen Körbe, die durchaus während der Reisernte einem wichtigen Zweck dienen konnten. Momentan gab es aber angeblich keine Arbeit für sie, darum hatten sie selbst gemachte Flöten, Decken, Kleider, und anderen Krempel darin, den sie unheimlich gerne an die Touristen verkaufen wollten.

Ich habe ein wenig Zweifel ob sie jemals auf den Feldern arbeiten, sie waren einfach viel zu gut organisiert, und auf den Tourismus eingestellt. Dafür sprachen sie das beste Englisch das wir bis dato von in Vietnam beheimateten Menschen zu Ohren bekamen.


Sie folgten uns die ganze Wanderung, fragten nach unserem Leben, erzählten von ihrem, reichten Händchen an steilen Abhängen, und wollten das am Ende, als wir zum Mittag in ihrem Dorf ankamen, in Souvenirs vergolten haben. Liebenswerte Terroristen.

Am Ende lieferte sich der Guide noch einige Wortgefechte mit den Leuten aus unserer Gruppe. Wörter wie Arschloch, Sätze wie ''Ich hab hier keinen Urlaub!'' fielen - von den entsprechenden Seiten.

Einige Wasserbüffel später, sie waren zur Kühlung in bräunliche Bäche abgetaucht und schauten genauso neugierig wie wir zurück, erreichten wir unser Tagesziel: Den Homestay. Der leider nicht mehr viel mit dem traditionellem Leben eines Reisbauern zu tun hatte.


Der Tourismus hatte hier bereits ein Opfer gefordert, und so saßen wir zwischen netten Iren, Japanern, Dänen, Amerikanern und Schotten in einer Holzhütte neben einem Billardtisch, tranken Reiswein, und wurden von einer einheimischen Hmong sehr lecker bekocht. Immerhin!

Am Abend gaben Insekten um die Holzhütte herum ein lautes Konzert, Ratten kämpften quiekend neben den Matratzen, oder im Gebälk, von dem Moskitonetze uns vor jeglichem Krabbeltier schützten.

Meine Unterwäsche, mit von Ralf geliehenem Duschbad gewaschen, hing an einem Holzbalken des Vordachs, unter dem noch bis spät in die Nacht Reise- und Lebensgeschichten ausgetauscht wurden.

18.8.11 00:00
 


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