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16.08.11 - 1. Tag - Flug & Ankunft in Hanoi

Nach Verabschiedung aller geliebter Menschen, erfolgloser Suche nach der David-Hasselhoff-Biographie in den Buchshops des Hamburger Airports gings ab in den Flieger. Die ersten zwei Stunden Flug wollten gefochten werden.

Ahs und Ohs gabs beim Sonnenuntergang durch die LOT Polish Airlines Fenster. Ich behaupte sowas wirklich schon sehr, sehr oft beguckt zu haben – und musste trotzdem unzählige Fotos machen.


Hallo Warschau, Tschüß Warschau. Wir lernen uns noch besser auf der Rückreise kennen. Halte durch!

Weiter mit der der ersten Feststellung der Reise: Auch polnische Großstädte geben ein fantastisches Bild aus der Luft ab! Lichter überall – ob nun von Straßenlaternen, vorbeiziehenden Autos oder aus den Fenstern noch wacher Wohnungen. Cityseeing aus 10.000 m Höhe - könnte man öfter machen!

Auf die daraus resultierende Nötigkeit, den eigenen Körper elf Stunden lang in verschiedensten Folterstellungen zwischen für Ruhepausen unklug positionierten Lehnen, kaum vorhandenen Fußräumen und Sitznachbarn am Leben zu erhalten, würde ich dennoch getrost verzichten. Aber genug des Gejammers - auf sowas ist man ja vorbereitet. Außerdem wurde dem Reisegefährten seiner Wahl das erste Mal die Schulter für kleine Schläfchen angeboten - oder dreist von ihm eingefordert. Ich möchte nicht näher darauf eingehen.

Am frühen Nachmittag stiegen wir dann alle halbwegs munter aus dem Flieger, hinein in eine Stadt die Vietnam bestens charakterisiert – Hanoi.

Hanoi ist wie ein großer Markt, und selbst an den ruhigsten Stellen hört man noch das unruhige Brummen der Mopeds.

Diese sind wirklich überall. Bürgersteige dienen ihnen als Parkplätze, sind also für Fußgänger unbegehbar.

Die Gebäude sind schmal, ziehen sich jedoch ewig lang und grau nach hinten weg, denn in Vietnam wird nur die zur Straße zugewandte Seite gestrichen und verziert.

Dort wo keine Motorräder stehen, findet man Garküchen mit blauen Plastikstühlen, die in den Abendstunden restlos belegt sind, und das Bild des nächtlichen Hanois prägen. Aber auch hunderte Hoteleingänge und westlichere Shops (von Levis bis Yves Rocher) mit freundlich zu-und-rein-winkendem Personal warten auf Leute wie uns. Touristen aus Europa, mit der von allen weiblichen Vietnamesinnen angestrebten, weißen Hautfarbe, und den Taschen voller Geld. So werden wir, in der Altstadt angekommen, gleich mehrfach nett angesprochen. (Später werde ich das nur noch ''belästigt'' nennen.) Man lobt Ralfs schönes blondes Haar, und verkauft ihm anschließend eine Stadtkarte, die man im Hotel auch umsonst bekommen hätte. Man fragt wo wir herkommen und bietet uns Brillen, Hotels und Reishüte an.

Am Ende des ersten Abends habe ich bereits Angst den Vietnamesen in die Augen zu schauen und öfter Nein gesagt als bei einem 7-tägigen Aufenthalt auf dem Hans-Albers-Platz.

Sie scheinen alle miteinander verwandt oder befreundet zu sein, und so fuhr uns der Taxifahrer vom Flughafen direkt zu einem Hotel, dessen Besitzer uns am besten gleich Touren für die nächsten zwei Wochen buchen wollte. Na danke!

Wir entschieden uns, unseres Reiseplans folgend, für eine mehrtägige Tour ins Gebirge (Sapa), beginnend am nächsten Abend, und suchten ein erstes Restaurant.

Abseits der größeren Touristenpfade, wurden wir fündig, und man geleitete uns in einen schicken mit dunklem Holz und Aquarium ausgestatteten Raum. Wir nahmen auf dem Boden Platz, und studierten die Karte. Ausschließlich Vietnamesisch. Erste skeptische Blicke. Okaaaay, dann wollen wir mal.

(Zu dem Zeitpunkt bekam unsere Vorstellung eines englisch-sprechenden Vietnams erste Risse.)

Mit Hilfe unseres dünnen Wörterbuchs friemelten wir uns ein paar nett klingende Gerichte zusammen, und bestellten sie bei der Kellnerin, die lächelnd und nickend, seelenruhig während des ganzen Übersetzungsvorgangs neben uns gesessen hatte.

Das Essen war köstlich, und auch der Durchfall blieb aus. (Das nur für die Statistik.)

Nach einem langen, ziellosen und auch schönen Spaziergang durch die Gassen der Altstadt, bekam man langsam ein Gefühl dafür den Kontinent gewechselt zu haben. Menschen die unter Palmen in der abendlichen Hitze an Seen sitzen (davon hat Hanoi einige zu bieten), Jugendliche die in passender Uniform Kampfsport vor dem Kulturtempel betreiben und Reklametafeln in allen Farben, versorgt durch armdicke Stromleitungen die zu Hunderten quer über die Straßen und Gehwege hängen, und an ihren Knotenpunkten bedrohlich surren. (Eine Frage drängte sich mir auf: Was passiert eigentlich wenn bei einem Monsun ein Blitz dort einschlägt?)


Wir kämpften uns über Hupen- und Abgasgequälte Kreuzungen, eine alte Frau gab bei der ersten noch Hilfestellung, dann waren wir auf uns allein gestellt, und schlugen uns ganz beachtlich. Missachtung von vietnamesischen Verkehrslichtern, -schildern und -signalen – auch für uns schon kein Problem mehr.

16.8.11 00:00


17.08.11 - 2. Tag - Hanoi

Das war sie, die erste Jetlag-Nacht. Um 3 Uhr morgens blinzelte auch das letzte Augenpaar auf der Suche nach Lebenszeichen umher. Berit fragte dann als erste „Könnt ihr auch nicht schlafen?“ und erntete Zustimmung aus der Dunkelheit.

Zudem hatte die Klimaanlage, jegliche Einstellung auf der Fernbedienung missachtet, und das Zimmer in den letzten Stunden auf herbstliche Temperaturen runter gekühlt.

Wir stimmten eine Stunde lang Songs an, die auf keiner Bad Taste Party fehlen durften, und starteten gegen 4 Uhr den nächsten Versuch Schlaf zu finden.

Klappte – pünktlich zum Mittag waren wir vor dem Hotel.

Nach der Futtersuche, und wiederholt skeptischen Blicken auf das servierte grünliche Wasser, was auch durchaus Tee sein konnte, doch nach nichts schmeckte, und Eiswürfeln in unseren Softdrinks (was hatten wir nicht für Horrorstories über das vietnamesische Wasser gelesen), machten wir uns auf in die andere Ecke der Stadt.

Am Abend zuvor gab es die ersten Unstimmigkeiten über das Buchen von Touren und die wahrscheinlich viel zu hohen Preise dafür, weshalb wir für unsere übernächste Station (Ha Long Bay/Cat Ba Island – das machten wir von den Reisemöglichkeiten abhängig) selbst informierten und für einen Spottpreis Bahn-Tickets für die Strecke Hanoi – Haiphong kauften. Reisen wie ein Vietnamese lautete das Ziel.

Dafür wurden zwei Bahnhöfe abgeklappert, unzählige Einheimische angesprochen, und einige Kilo Schweiß verloren. Das man in diesem Land mit Englisch nicht weit kam, wurde nun zur Gewissheit. Doch noch lag der ganze Tag vor uns.

Wir hatten uns mit Anti-Brumm-Moskito-Spray und Sonnencreme gesalbt, mit Mineralwasser und Fotokameras bewaffnet, und waren neugierig auf jeden Eindruck der sich uns bot.

Das Abenteuer hatte gerade erst begonnen.

Wir lernten das Wort für Mitfahrgelegenheit auf einem Moped (''Xe Ôm'') und suchten uns zwei Fahrer.

Diese lachten erst ängstlich ("Zwei Europäer auf meinem alten Moped?!''), wollten sich die 50.000 Dong dann aber doch nicht durch die Lappen gehen lassen. (1 Euro = 30.000 Dong)

Mit mulmigem Gefühl stiegen wir auf, und heizten eng aneinander gepresst durch die Straßen Hanois. Über rote Ampeln, deren Warnfunktion mit durchgehendem Hupton neutralisiert wurde, und verstopfte Kreuzungen.

Der Fahrtwind war die erste angenehme Abkühlung des Urlaubs und trotzdem sich der Fahrer mit uns permanent an anderen Mofas und Autos vorbei schlängelte und Verkehrsregeln missachtete, hatte man zu keinem Zeitpunkt das Gefühl es würde in einem Unfall enden.

Ab und an musste man die Beine reflexartig näher ans Mofa drücken, weil der Vietnamese die Länge europäischer Beine bei Überholmanövern unterschätzte. Aber alles in allem - eine super Fahrt! (Und auch lange nicht die letzte.)

Nach dem Kauf der Bahntickets folgten wir den vom Bahnhof wegführenden Schienen über eine alte, rostige Brücke, die uns halb über den Song Hong (''der rote Fluss'') und halb über eine Bananenplantage führte.

Unten auf der Plantage legten wir eine zweite Schicht Sonnencreme auf. (Der dort gewonnene Gedanke den Schweißfilm auf meinem Körper vier Wochen wie einen Anzug zu tragen, bewahrheite sich mit Ausnahme von einem Regentag in Sapa.) Oben auf der Brücke kauften wir einem Händler seine dort angebotene, uns unbekannte Frucht ab. Die Jackfrucht wie mir Google später erklärte. Von einer Geschmackssensation konnte nicht gerade die Rede sein, und später verschenkten wir die Hälfte des gekauften Viertels. Die außen braun-grünliche Frucht in der Pickelschale, die im Inneren einer Ananas ähnlich sah, schmeckte nach Kaugummi. Hatte ich bis zu diesem Zeitpunkt angenommen Wrigleys Juicy Fruit wäre ein künstlicher Geschmack, wurde ich an dem Tag eines Besseren belehrt.


Später gabs wieder einige Verwirrung beim Abendessen, da die Bedienung stumm die bestellten Essen in die Tischmitte stellte, und wir die kleinen Portionen für kostenlose Vorspeisen hielten. Jeder aß von jedem, während der Hotelbesitzer auf der Suche nach uns schon panisch mit seinem Mofa durch die Altstadt kurvte. (''Die waren doch eben noch hier!?'') Unser Buszubringer zum Schlafbus war bereits ohne uns gefahren, während wir noch einen kleinen Snack 100 m entfernt einnahmen.

Also wieder mal ein Taxi genommen. Um dann im Schlafbus nach einer knappen halben Stunde Fahrt stehen zu bleiben.

Bus kaputt.

Ein neuer würde kommen – irgendwann. Informationen für Touristen gab es nicht. Wie auch, die sprechen ja kein Vietnamesisch!

17.8.11 00:00


18.08.11 - 3. Tag - Sapa

Hätte die Möglichkeit bestanden, den Sleeping Bus zu verlassen und geleitet von Gollum zu Fuß nach Sapa zu wandern, ich hätte dankend eingeschlagen.

Mein Körper, hatte nach dem Flug gerade wieder den Knochenbau eines Homo Sapiens angenommen, da wurde er erneut hart auf die Probe gestellt. (Den Anderen ging es nicht besser.) Die Schlafbusse mögen für Asiaten genug Platz bieten, für größere Menschen sind sie leider viel zu klein.

Noch dazu werden Touristen strikt auf die hintersten Plätze verbannt, über dem warmen Motor, unter dem Loch der Klimaanlage, das einem die ganze Fahrt über frech kalte Luft ins Gesicht spuckte.

An Schlaf war nicht zu denken, doch bekam man so wenigstens, als die Nacht langsam auf- und Tageslicht freigab, die ersten Nebelverhangenen Täler und Berge zu Gesicht. Reisterrassen deuteten sich in der Ferne an, und alles andere was wir auf unserer späteren Wandertour noch durchstreiften. Ziemlich beeindruckend.

Nur wenige Momente später faszinierte uns dann wiedermal die Organisation unserer gebuchten Tour, in dem man uns in Lao Cai rausschmiss um das Beförderungsmittel zu wechseln, obwohl wir den Schlafbus später in Sapa wieder trafen.

Rein in einen anderen Bus der die verbleibenden 35 km Serpentine zum ''Emotion'' fuhr, das unser Treffpunkt für die Trekkingtour sein sollte. Hier durfte natürlich wieder bezahlt werden.

Im Hotel angekommen begrüßte uns eine ziemlich putzige Vietnamesin in so gutem Englisch das wir uns staunende Blicke zu warfen. Die Vermutung in einem reinen Touristenor anscheinend keine Verständigungs-Probleme zu haben, löste sich allerdings bei der ersten Frage schon wieder auf. (Sie hatte ihre Sätze geübt.)

Wir duschten in dreckigen Zimmern, und setzen uns anschließend auf den Balkon zum Frühstück.

Es war mittlerweile gegen 7 oder 8 Uhr morgens, und die Sonne brach durch den Nebel in das Tal vor uns.

Wunderschön. Und entschädigte für die Herfahrt.


Es gab Nudelsuppe und etwas das Brot sehr ähnlich war.

Danach kehrten wir ins Foyer zurück wo der Guide bereits wartete um mit uns über die Notwendigkeit zu sprechen bitte nicht unser gesamtes Reisegepäck mitzunehmen. (Meiner hatte ja eh nur das Gewicht von Ralfs Kater – womit ich Spitzenreiter in der Fliegengewichtsklasse war, Ralfs Rucksack hingegen wog gut das Doppelte. 15 kg.)

Nach erster Diskussion, wir wollten ungerne unsere Sachen unbeaufsichtigt im Hotel liegen lassen, willigten wir doch ein, und packten uns kleinere Rucksäcke für die nächsten zwei Tage.

Ich verbannte jegliche Klamotten und ging lediglich mit Kamera, Wasserflasche, Mückenspray, Sonnencreme und der lebensnotwendige Reisezahnbürste an den Start.

Bestärkt davon uns nun bereits einmal überredet zu haben, versuchte er es weiter. ''Die zweite Tour die ihr morgen mit mir gebucht habt ist eigentlich doof, und wird eigentlich gar nicht mehr angeboten, und wollt ihr dafür nicht lieber die Nacht im Hotel verbringen?''

Nein, wollten wir nicht. Wir hatten zwei Homestays gebucht! Scheinbar hatte es zwischen ihm und unserem Hotel in Hanoi einen Absprachekonflikt gegeben. Das wäre ja nichts Neues.

Wir verschoben das Thema auf die Abendstunden und die Tour begann.


Der Guide von Anfang an von merkwürdigem Charakter, baute seine schlechten Eigenschaften während der nächsten Stunden weiter aus. Hauptsächlich rede ich hier von Ungeduld und vollkommenem Unverständnis gegenüber Menschen die tatsächlich die bemerkenswerte Landschaft genießen wollten.

Dementsprechend flink hüpfte er wie eine Bergziege von Berghang zu Berghang. Nur einmal hab ich ihn wegrutschen sehen. Und das in einer ganz anderen Größenordnung als mir das passierte, mit meinen tollen, extra für die Reise gekauften Wanderschuhen, deren Profil sich nach den ersten Metern mit Schlamm bedeckt zu einer glitschigen Sohle verwandelt hatte, und mich öfter auf kreative Art und Weise zum liegen brachte.

Am Ende betrachtete ich trotzdem stolz meine vor getrocknetem Dreck stehende Hose und die Schuhe die Farbe und Form gewechselt hatten. (Und den Rest der Reise widerlich rochen.)

Begleitet wurden wir von kleinen Frauen eines in blaue Trachten gehüllten Bergvolks, die bereits an der Schwelle des Hotels auf ihre ''Opfer'' warteten. Sie nannten sich die Hmong und trugen Körbe, die durchaus während der Reisernte einem wichtigen Zweck dienen konnten. Momentan gab es aber angeblich keine Arbeit für sie, darum hatten sie selbst gemachte Flöten, Decken, Kleider, und anderen Krempel darin, den sie unheimlich gerne an die Touristen verkaufen wollten.

Ich habe ein wenig Zweifel ob sie jemals auf den Feldern arbeiten, sie waren einfach viel zu gut organisiert, und auf den Tourismus eingestellt. Dafür sprachen sie das beste Englisch das wir bis dato von in Vietnam beheimateten Menschen zu Ohren bekamen.


Sie folgten uns die ganze Wanderung, fragten nach unserem Leben, erzählten von ihrem, reichten Händchen an steilen Abhängen, und wollten das am Ende, als wir zum Mittag in ihrem Dorf ankamen, in Souvenirs vergolten haben. Liebenswerte Terroristen.

Am Ende lieferte sich der Guide noch einige Wortgefechte mit den Leuten aus unserer Gruppe. Wörter wie Arschloch, Sätze wie ''Ich hab hier keinen Urlaub!'' fielen - von den entsprechenden Seiten.

Einige Wasserbüffel später, sie waren zur Kühlung in bräunliche Bäche abgetaucht und schauten genauso neugierig wie wir zurück, erreichten wir unser Tagesziel: Den Homestay. Der leider nicht mehr viel mit dem traditionellem Leben eines Reisbauern zu tun hatte.


Der Tourismus hatte hier bereits ein Opfer gefordert, und so saßen wir zwischen netten Iren, Japanern, Dänen, Amerikanern und Schotten in einer Holzhütte neben einem Billardtisch, tranken Reiswein, und wurden von einer einheimischen Hmong sehr lecker bekocht. Immerhin!

Am Abend gaben Insekten um die Holzhütte herum ein lautes Konzert, Ratten kämpften quiekend neben den Matratzen, oder im Gebälk, von dem Moskitonetze uns vor jeglichem Krabbeltier schützten.

Meine Unterwäsche, mit von Ralf geliehenem Duschbad gewaschen, hing an einem Holzbalken des Vordachs, unter dem noch bis spät in die Nacht Reise- und Lebensgeschichten ausgetauscht wurden.

18.8.11 00:00


19.08.11 - 4. Tag - Sapa

Mit typisch traditionellen Flex-Geräuschen weckte man uns am Morgen. Gegenüber baute man eine neue Homestay-Hütte. Noch komfortabler als die unsere. (Wann sie wohl die Flatscreens reinschleppten?)

Es hatte angefangen zu regnen, und sollte die nächsten zwei Tage kaum mehr aufhören, weshalb wir nun doch nicht mehr auf die nächste Wandertour und den zweiten Homestay pochten.

Unser Guide begrüßte unsere Entscheidung grinsend.

Es gab Banana Pancakes mit Honig zum Frühstück – wenigstens ein gutes Überbleibsel der Amerikanern.

Anschließend machten wir uns so gut wie möglich wasserfest. Wer keine Regenkleidung dabei, bzw. auf Abraten des Guides im Hotel ausgepackt hatte, behalf sich mit Mülltüten oder wurde eben nass. (Ralf in feinster Bundeswehrkleidung musste später noch für Fotos mit einheimischen Kindern herhalten.)

Wir verließen das Dorf, über aufgequollene Wege, und glitschige Steine, wateten durch Straßen die von den Wassermassen aus den Bergen überflutet wurden.


Das Abenteuergefühl war mit uns aufgestanden. Und mit dem Ziel vor Augen später am Tag nach einer warmen Dusche (das sollte sich jedoch als Trugschluss herausstellen) in trockene Klamotten zu steigen, ließ sich der Ausflug zum Wasserfall trotz Regen genießen.

Die Tour führte uns entlang des Flusses in dem Ralf gestern noch geplanscht und vorbei an Reisfeldern mit denen unsere Sohlen im Trocknen Bekanntschaft geschlossen hatten. Eine asphaltierte Straße hoch, dann wieder einen Sandhang herunter.

Der Wasserfall der uns zuvor als unspektakulär beschrieben wurde, hatte durch den Regen eindeutig an Imposanz gewonnen und rauschte wie ein Großer.


Man schlitterte auf Hin- und Rückweg wieder ein wenig durch die Gegend, rutschte von Steinköpfen die aus angestiegenen Bächen guckten ab oder nicht. Ich für meinen Teilen verzierte meine Hose mit neuen schlammigen Details, und wusch die Dreckkruste von meinen sowieso nassen Wanderschuhen.

Fotos wurden gemacht, Mittag mit Löffel und Stäbchen verspeist. Dann ging es mit einem Bus zurück ins Hotel. Nima und Ralf entschieden sich einen Teil der Straße nach Sapa zu Fuß zu gehen.

Berit und ich verabredeten uns mit einer Amerikanerin, die wir auf der Tour kennen gelernt hatten, zu Kaffee und Kuchen und schlenderten in der Zwischenzeit durch die Stadt.

Über Märkte, die den großen Hallen entwachsen waren, und nun unter Regenplanen die man zwischen den schmalen Häusergassen gespannt hatte, Fleisch, Früchte, und Ramsch in allen Formen und Farben anboten. Mein Favorit: Skorpione und Schlangen in Alkoholflaschen, zum Kampf arrangiert. (Leider keine Fotos gemacht. Google: Snake Wine Vietnam.)

Man wollte sich nicht vorstellen wie der Marktteil auf dem Fleisch und Fisch verkauft wurde in der prallen Sonne roch. Nase zu und durch!

Auf der Hauptverkehrsader Sapas trafen wir erst Ralf wieder, der den letzten Teil der Strecke per Xe Ôm gefahren war, wenig später lief Nima dort, Hanfflechtend, an unserem Restaurant vorbei. (Es handelte sich dabei um eine komplizierte Zwirbeltechnik der Hmong, die für große iranische Finger schwer nachzumachen war.)

Wir waren wieder vollzählig.

Am Abend starteten wir erste Gehversuche im vietnamesischen Nachtleben und stolperten in die ''Color Bar'', die an diesem Tag Eröffnung feierte und bei unserem Eintreten bereits gut gefüllt war.

Ein neuseeländisches Mädchen folgte dem Konzept der Kneipe und ließ sich im Bikini von einem einheimischen Künstler body-painten.

Selten hatte ich so aufgeregte Vietnamesen gesehen. Einer übertrug den Akt des Bemalens sogar live mit der Webcam seines Notebooks.


Die Bar war eine einfache Lehmhütte, von dessen Wänden Bob Marley schallte. Als Tische dienten Tonkrügen mit unbefestigten Holzplatten darauf. Eine Cocktailkarte lag ebenfalls bereit, anbieten konnte der Barkeeper jedoch hauptsächlich Bier.

Besitzer anderer Lokale waren zur Eröffnung gekommen um mit dem neuen Kneiper zu feiern, der den ganzen Abend selig vor sich hin grinste.

Wir testeten erfolgreich den am Vortag gelernten Trinkspruch: Môt hai ba yo!


19.8.11 00:00


20.08.11 - 5. Tag - Sapa & Hanoi

Der letzte Tag fiel buchstäblich ins Wasser. Ralf und Nima, wieder als furchtloses Doppel unterwegs, schlugen sich zu einem weiteren Wasserfall durch, und nachdem sie dem 14-jährigen Hmong Mädchen, das ihr Guide für diese Tour war, davon gelaufen waren, auch durchs Gestrüpp.

Nach weiterer Stadterkundung, und Gesprächen mit bekannten Gesichtern vom vorherigen Abend, begaben wir uns am späten Nachmittag zum Nachtbus, dessen Komfortdefizite ich hier nicht noch einmal breit treten möchte. Nur so viel: Die Etappe durch die Berge verbrachte ich größtenteils wie ein Hund, aus dem geöffneten Fenster hechelnd. Mir war schlecht!

Wir kamen gegen halb 5 Uhr morgens in Hanoi an. Machten uns auf den Weg zu dem Hotel, das uns eine so durchwachsene Tour gebucht, und ein Bett und eine Dusche für die Wiederkehr versprochen hatte.

Es war noch dunkel. Einige Stunden bis zur Abfahrt unseres Zugs nach Haiphong wollten überbrückt werden. Am besten mit Schlaf.

Wir erreichten den Eingang, der den Rolladen geschlossen hatte, wie der Angestellte dahinter die Augen. Wie es sich für echte Touristen gehörte klopften und rüttelten wir ihn wach.

''Kein Zimmer für euch. Nein, kein Problem das ihr mich geweckt habt. Gute Nacht!'' So, so.

Müde spazierten wir zum nahe gelegenen Hoan Kiem See, Sonnenaufgang gucken, wo ich nun gerade sitze und schreibe.


Kaum haben wir uns hier mit Sack und Pack auf einigen Bänken am Wasser niedergelassen, kamen hunderte Vietnamesen allen Alters aus den Gassen an den See, und begannen fast synchron mit Dehnübungen zum schrillen Klang kleiner Lautsprecher in den Baumkronen. Die Aufnahme scheint sich nach kurzer Laufzeit zu wiederholen und klingt wie eine alte Anfeuerungsrede für Soldaten. (Ich verstehe nur ''Bai-bai-bai''.)

Die Hanoier stampfen, tänzeln, schlagen gegen Bäume, von der anderen Seite des Sees hört man Motivationsrufe.

Entweder werden sie gleich zu Zombies oder verschwinden wach und fit für den Tag.

Es regnet leicht aus dem pastellfarbenden Himmel ins Wasser und eine Temperaturanzeige hinter mir verkündet stolz 25 Grad.

Ich bin gespannt wie der Tag weiter geht...



20.8.11 00:00


21.08.11 - 6. Tag - Hanoi & Hai Phong & Cat Ba

Wir machten uns auf den Weg zum Bahnhof, um dort auf harten Plastikstühlen dem Regen zu lauschen, bis unser Zug fuhr, oder wie Ralf sich quer zu legen und ein bisschen fehlenden Schlaf nachzuholen.


Sobald wir erst mal eingestiegen waren, und Hanoi (endlich) verlassen hatten, riss der Himmel auf und schickte Sonnenstrahlen auf die kleineren, ärmlicheren Dörfer und Städte durch die die Schienen uns führten. Zugegeben war die Fahrt landschaftlich nicht besonders aufregend. Reisfelder und ab und an ein paar Kalksteinfelsen in der Ferne, auf die wir uns in Groß und Viel in der Ha Long Bucht freuten.

Irgendwann fielen uns allen die Augen zu. Berit behauptete sogar sie hätte auf der ganzen Reise noch nicht besser geschlafen.

Als wir in Hai Phong ausstiegen, hatten sich die Temperaturen auf tropische Grade hochgeschaukelt, und wir gönnten uns nach Tagen endlich wieder eine Schicht Sonnencreme.

Preise und Informationen für die übernächste Station wurden eingeholt, und dann mit dem Stadtplan unseres Reiseführers durch die Stadt spaziert. Schattenspringen olé.

Wir handelten relativ erfolgreich mit einer Frau die auf selbstgedruckten Zetteln einen ausgedachten Preis für Bus- und Fährüberfahrt nach Cat Ba verlangte. Nach Deal-Handschlag folgten wir ihr die 50 Meter zum Bus, wo wir das Ticket natürlich noch günstiger bekommen hätten. (Wir lernen ja noch...)

Die Bootsfahrt wurde von Natur und Bootsunternehmen großartig trist gehalten, das man schon an der versprochen beeindruckenden Landschaft zweifelte, die sich auf der anderen Seite der Insel kilometerweit erstrecken sollte.

Kaum das Boot verlassen, und Festland betreten, wurden auch schon die Fotoapparate gezückt. Ziegen hoppsten über die Wege, in Wasserarmen lagen einfache Fischerboote, Felsen ragten aus dem Meer und grün-graue Steilküsten taten sich rechts von der engen Straße auf, die uns zur anderen Seite der Insel führte.

Kaum in Cat Ba City angekommen buhlten schon die ersten Tourenverkäufer und Hotelangestellten um uns. Wurden die Ersten noch mit Kopfschütteln verjagt, gaben wir nicht viel später einer netten Hotelbesitzerin den Zuschlag.

Cat Ba besteht aus einer lang gezogenen Hotel- und Restaurantfront vor einer Felskulisse, die ihre Arme um eine Bucht von der Größe der Innenalster legt. Darin schunkeln unzählige Boote.


Wir checkten in der vierten und fünften Etage ein. Machten einige Poserfotos vom Balkon und ließen neben einem fantastischen Essen auch das beeindruckende Panorama sacken. Ich gebe zu: Ich war verliebt.

Hanoi war laut und interessant, Sapa aufregend und nass. Cat Ba strahlte Ruhe aus. Die Stadt war vollkommen auf den Tourismus ausgerichtet, nur fehlten eben diese Touristen. (Etwas das wir bis auf wenige Ausnahmen von jetzt an überall in Vietnam vor fanden.)

Wir mieteten uns mit Louca, einer italienischen Sapa Bekanntschaft, ein Boot um uns den Sonnenuntergang außerhalb der Bucht anzusehen.


Der Horizont färbte sich orange, die Hitze verkam zu Wärme, und die Gespräche drehten sich fast ausnahmslos um diesen schönen Moment. Die grauen Felsriesen zwischen denen wir durch fuhren, die dunkleren die sich in der Ferne zu Gebirgsformationen zusammen gerückt hatten. Kleine Strände hier und da und die Reste alter Holzbrücken an den Kalksteinriesen grüßten im Vorbeifahren. Ich möchte nicht verschweigen das auch einige große Ferien Resorts schon ihr Beton in manche Buchten geschmiert und edel angemalt hatten, aber mit dem Kopf dem Meer zu gedreht fühlte man sich ziemlich alleine und klein in dieser atemberaubenden Szenerie. Der Gedanke dass Menschen schon vor tausenden Jahren diese Bucht bestaunt und ihre Mythen darum gesponnen hatten (''Eines schönen Morgens wollte der Drache schwimmen gehen...''), verfolgte mich noch einige Tage.


Als die Sonne komplett verschwunden war, fuhr das Boot zurück in den Hafen, wir schnallten Badehose und Bikini um, und sprangen von Deck in das warme Wasser. Ich hatte erst Bedenken, war ich doch ziemlich erkältet, aber letzten Endes war die Gewissheit dass zu bereuen, wie Yoda sagen würde, stark in mir.

Grelle Beats unterlegt mit kindlichen Stimmen schallten uns nach der Plantscherei vom großen Steg an der Promenade entgegen.

Eine Disco in der Nähe glich schlechten Musikgeschmack, und Tanzunlust der Vietnamesen durch Lautstärke aus. Wir nahmen noch den einen oder anderen Softdrink zu uns und verschwanden ins Bett.

21.8.11 00:00


22.08.11 - 7. Tag - Cat Ba

Wer sagte noch spontane Ideen wären die besten?

Der heutige Tag fiel einer solchen zum Opfer, weil Ralf fiel...

Aber beginnen wir mit einem strahlenden Morgen, der nicht die kleinste Wolke ins Panorama ließ.

Aufgestanden und mit breitem Grinsen auf den Balkon spaziert. Die Bucht befand sich an Ort und Stelle, leuchtete im schönsten Grün und Blau.

Kaum war die Zimmertür geöffnet umhüllte mich wieder ein vertrauter Hitzeschleier. Die Pepsi Dose die ich gestern Abend aus einem unerklärlichen Grund vor die Tür gestellt hatte, hatte einer Ameisenkolonie beschäftigte Stunden beschert.

Nima kam mit dem fantastischen Vorschlag mit mietbaren Motorrollern um die Insel zu kurven. Da war ich als Mofa-Newbie natürlich hinten drauf mit dabei.


Während Berit noch die Vorzüge eines großen Bettes genoss, liehen wir uns zwei Motorbikes und tankten beide für den Preis drei deutscher Liter voll. Nachdem wir bereits an der ersten Kreuzung in verschiedene Richtungen abgebogen waren, kurvten wir durch die kleinen, wuseligen Straßen, von denen es in Cat Ba nicht gerade viele gab. Nima machte sich mit dem Gefährt bekannt, ich mit seinen Hüften. Nebenbei suchten und fanden wir Ralf wieder.

Als Biker-Clique verließen wir die Kleinstadt auf die schmale, sandige Straße über die wir am Vortag gekommen waren. Wir wollten etwaige Seitenwege abklappern, die wundervollen Aussichten genießen, rumklettern, vielleicht dem Nationalpark im Inneren der Insel einen Besuch abstatten, und vor allem fahren.

Viel Weg machten wir dann leider nicht mehr gut, nachdem ein Bus sich dreist in Ralfs Vorstellung eine Kurve zu nehmen drängte.

Das Moped legte sich unter den Bus und Ralf rutschte halbwegs gekonnt Richtung Straßenrand.

Sofort sprangen ein paar Touristinnen mit Desinfektionssprays und Heilsalben aus dem Bus, als hätten sie in den Serpentinen Cat Bas nur auf diesen Moment gewartet. Zugeben brachten vierrädrige Fortbewegungsmittel immer wieder Chaos in die sonst so gekonnten Verkehrsmanöver der Vietnamesen. Die Straßen waren meist einfach zu eng, zu schlecht, Autos und Busse zu schnell.

Der Busfahrer rief den Chef des Motorbike-Verleihs und nahm Bloody Ralf mit in die Stadt. Wir halfen das fahruntüchtige Gerät aufs Auto zu laden und fuhren zurück zum Hotel.

Ralf bekam eine Behandlung in der nächsten Apotheke, und eine Rechnung, die es zu bezahlen galt. Wir gurkten durch die Stadt um einen Automaten oder eine Bank aufzutreiben die seine EC-Karte akzeptierte.

Die Sonne brannte, Ralf humpelte, die Banken mochten Visa oder Mastercard eindeutig lieber.

Letztendlich rief der Besitzer des Motorrollers einen Freund an, der seine Bank für uns aufschloss, sich vor einen dicken Tresor setze und ''Wie viel wollt ihr denn?'' fragte.

16.000.000 VND! Wir spielen ja nicht im Sand.

Ich verkam zum Sugar Daddy und reichte ihm lässig meine Geldkarte.

Der Stapel Bargeld konnte sich wahrlich sehen lassen. Gerne hätten wir ihn länger in unserem Besitz gehabt.

Ralf ging schlafen, Berit und ich pünktlich um 12 essen.

Das Bamboo Café wurde in unserer Cat Ba Zeit eindeutig am häufigsten frequentiert. Die Fruchtshakes waren einmalig lecker.

Unter drei Mangosäften verließ ich das Restaurant nie, und dann auch nur für ein paar Stunden.

Wir schlenderten durch den weniger touristischen Teil der Stadt. Schrieben erste Postkarten. Schlenderten über den Markt. Wurden, Nima voran, von Kindern auf Grund von Größe und fremdlichen Aussehens bewundert, ja regelrecht verfolgt.


Der geplante Strandbesuch fiel flach. Die Strände durften nach Einbruch der Dunkelheit nicht mehr betreten werden, und in Vietnam ging die Sonne um 18 Uhr unter. Wir stiefelten also im Badeoutfit zurück zum Hotel, wo ein hungriger Ralf auf uns wartete.

Mit einem netten deutschen Pärchen und dem immer noch sympathischen Louca wurden Biere vernichtet, Reiseeindrücke geteilt, Ralfs Wunden begutachtet, Essen geordert und verputzt.

22.8.11 00:00





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